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Möglichkeiten und Grenzen des Cochlea-Implants aus der Sicht der Seelsorge

Ein Beitrag der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Gehörlosenseelsorge (DAFEG)
zur Diskussion um das CI


In der DAFEG haben sich die in der Gehörlosenseelsorge tätigen gehörlosen und hörenden Personen zusammengeschlossen. Wir erleben in unseren Gemeinden gehörlose und schwerhörige Erwachsene, in den Gehörlosen- und Schwerhörigenschulen gehörlose und schwerhörige Kinder, darunter auch CI-Träger. Unsere seelsorgerlichen Erfahrungen im Umgang mit unseren jungen und älteren Gemeindmitgliedern möchten wir in die Diskussion um die Bewertung des CI einbringen.


Wir begrüßen jeden medizinischen und technischen Fortschritt, der für hörgeschädigte Menschen die akustischen Wahrnehmungen ihrer Umgebung verbessert. Diesem Ziel dient auch das CI. Jedoch sollten die Möglichkeiten des CI weder über- noch unterbewertet werden.


Dazu geben wir auf dem Hintergrund der Gehörlosenseelsorge zu bedenken:


  • Der Wert eines Menschen und der Sinn seines Lebens ist allein darin begründet, daß er von Gott geschaffen ist, von ihm geliebt und angenommen wird.
    Von daher halten wir es für falsch, Menschen nach ihren sichtbaren und unsichbaren Stärken und Schwächen zu bewerten.
  • Unsere Zeit ist vom ökonomischen Denken, von wirtschaftlichen Zwängen, von Kosten-Nutzen-Rechnungen bestimmt. Es ist die Gefahr zu sehen, daß die Bewertung des menschlichen Lebens auch von solchen Zwängen mitgeprägt wird.
    Wir warnen davor, tiefgreifende, das Leben eines Kindes bestimmende Entscheidungen von ökonomischen Gesichtspunkten beeinflussen zu lassen.
  • Der Mensch entwickelt seine Persönlichkeit in der kommunikativen Beziehung zu anderen Menschen. So findet er seine Sprache, seine Kultur, seine Sozialgemeinschaft, seine Identität. Dies kann gleichermaßen in der Lautsprach- wie in der Gebärdensprachgemeinschaft geschehen.

Deshalb halten wir es für falsch, ausschließlich nur die Lautsprachgemeinschaft als Sprach-, Kultur- und Sozialgemeinschaft zu akzeptieren.


Im Zusammenhang mit der Cochlea-Implantation bei Kleinkindern begegnen uns folgende seelsorgerlichen Probleme:


  • Die Diagnose einer Hörschädigung ihres Kindes löst bei den Eltern zunächst einen Schock aus, verbunden mit Gefühlen der Schuld und der Hilflosigkeit. Sie benötigen seelsorgerliche Begleitung und Hilfe zur Überwindung ihres seelischen Schocks, damit sie ihr Kind, so wie es ist, annehmen und lieben können. Es ist wichtig, dass sie sofort mit ihrem Kind kommunizieren können. Dies kann auch in Gebärdensprache erfolgen, solange die Lautsprache noch nicht ausgebildet ist.
    Wir warnen davor, den Beginn der Eltern-Kind-Kommunikation von einer noch zu erwerbenden Hörfähigkeit des Kindes abhängig zu machen.
  • Das hörgeschädigte Kind hat ein Recht auf seine Kindheit, in der es zu einer psychisch und emotional stabilen Persönlichkeit heranreifen kann.
    Wir warnen davor, die Kindheit allein dem Ziel, hören und sprechen zu können, unterzuordnen.
  • Unbeschwertes Gelingen der Kommunikation ist für eine ausgeglichene Persönlichkeit lebensnotwendig. Träger eines CI bleiben hörgeschädigte Menschen, d.h. in der lautsprachlichen Umgebung bleiben sie in der Kommunikation behindert. Sie erleben dies als anstrengend.

Wir empfehlen daher, einen Weg für sie zur unbeschwerten Kommunikation, in der sie Leistungsdruck abbauen können, offenzuhalten durch das Angebot der Gebärdensprache.


Wir empfehlen weiterhin, daß Eltern und Kindern der Kontakt zur Gebärdensprachgemeinschaft von vornherein ermöglicht wird.


Eine CI-Operation und die anschließenden Rehabilitationsmaßnahmen dürfen nicht mit der Ablehnung der Gebärdensprachgemeinschaft, ihrer Sprache und ihrer Kultur verbunden sein.


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