Informationen - Lexikon religiöse Gebärdensprachbegriffe

aus dem Vorvort der gleichnamigen CD-Rom (1.0)
Siegen, 31. Juli 1998 von Pfr. Benno Weiß.




Herkunft der Gebärden

Zu den einzelnen Gebärdensprachbegriffen wird die Herkunft angegeben. Dies hat im Einzelnen folgenden Hintergrund:


·        „Gebärdensprachlicher Umgang“
bezeichnet den großen Schatz religiöser Gebärdensprachbegriffe aus der alltäglichen gebärdensprachlichen Kommunikation der Gehörlosen, die nicht bestimmten Orten oder Regionen zugeordnet werden konnte
·      Deutsche Gebärdensprache
bezeichnet Spezialgebärden oder visuell bedingte Grammatikformen
·      Die Regionen Süddeutschland, Norddeutschland, Bayern, Berlin
werden angegeben, wo regionale Zuordnung möglich oder nötig war
·      Ostdeutschland:
Bei vielen Sonderformen machen sich die 40 Jahre BRD/DDR - Geschichte bemerkbar
·      Spanische, italienische, israelische Gebärdensprache
konnte vermerkt werden als Ergebnis persönlicher Kontakte zu spanischen, italienischen, israelischen Gehörlosen
·      Katholische Gehörlosengemeinden
bei typisch katholischen Begriffen
·      Evangelische Gehörlosengemeinden:
Diese Begriffe sind aus der jahrzehntelangen Praxis in den evangelischen Gehörlosengemeinden erwachsen, ihr regionaler Ursprung ist nicht mehr erkennbar, diese Begriffe sind nicht unbedingt Bestandteil des gebärdensprachlichen Umgangs
·      Ostdeutsche Gehörlosengemeinden:
Unter den gesellschaftlichen Bedingungen der DDR haben die Kirchen, so auch die Gehörlosenseelsorge besondere Formen des Gemeindelebens entwickelt, dabei sind auch besondere Formen und Inhalte religiöser Gebärdensprachbegriffe entstanden
·      Gehörlosengemeinde Leipzig:
Heinz Weithaas mit seiner besonderen Fähigkeit, seine theologische und seine gebärdensprachliche Kompetenz miteinander zu verknüpfen, hat mit seiner Gehörlosengemeinde in Leipzig auch viele religiöse Gebärdensprachbegriffe entwickelt, die sich hier und unter der Rubrik „Ostdeutsche Gehörlosengemeinden“ und teilweise auch „Ostdeutschland“ wiederfinden
·      Evangeliumsbewegung für Gehörlose:
In den 70er Jahren entstand, ausgehend von Westdeutschland, diese Bewegung. Sie forderte die ganze Bibel für Gehörlose und kritisierte mit dieser Forderung die lautsprachlich elementarisierten Formen der Bibeltexte, die von den Gehörlosenseelsorgern in den Gottesdiensten dargeboten wurden, da die sprachliche Elementarisierung oft auch mit einer inhaltlichen Verkürzung der biblischen Inhalte einherging. Die Gehörlosen dieser Bewegung setzten sich intensiv mit den Texten der Bibel auseinander. Daraus gingen viele religiöse Gebärdensprachbegriffe hervor, die in unsere Arbeit von einem ihrer Gründungsmitglieder, Egon Zeuner, eingebracht wurden.
·      Kartei „Religiöse Gebärden“:
Zwölf Jahre arbeitete ein Kreis um Pfarrer Lenhard und Professor Schulte an der Entwicklung religiöser Gebärden, die in oben genannter Kartei festgehalten und veröffentlicht wurden. Aus dieser Arbeit sind viele Anregungen in die evangelischen Gehörlosengemeinden gegangen.
·      Bayrische Gehörlosenseelsorge:
Besonders aus der Arbeit der Nürnberger Gehörlosengemeinde sind viele religiöse Gebärdensprachbegriffe hervorgegangen
·      Württembergische Gehörlosenseelsorge:
Besonders zu erwähnen ist hier der „Denkendorfer Kreis“, aus dessen theologischer Bildungsarbeit auch viele religiöse Gebärdensprachbegriffe entstanden sind.
·      Westfälischer Arbeitskreis „Bibel in Gebärdensprache“:
Die Übersetzung des Markus-Evangeliums in die Deutsche Gebärdensprache machte die Entwicklung etlicher religiöser Gebärdensprachbegriffe erforderlich
·      Westfälische Gehörlosenseelsorge:
Die Bildungsarbeit mit den gehörlosen Laienpredigern zum einen und mit den gehörlosen Gemeindesprechern/innen zum anderen erwies sich als Quelle für neue religiöse Gebärdensprachbegriffe
·      Nord- und süddeutsche Gehörlosengemeinden:
Einige Sonderformen entstanden in der Praxis dieser Gehörlosengemeinden
·      Arbeitskreis „Biblische und geistliche Gebärden“ der Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, Abteilung Gehörlosenmission:
1997 hat dieser Arbeitskreis ein Videoband „Biblische und geistliche Gebärden“ mit Beiheft herausgegeben; darin finden sich 424 Begriffe.
·      DAFEG-Fachausschuss „Religiöse Gebärdensprachbegriffe auf CD-ROM“:
Unser Fachausschuss hat gesammelt, geordnet, stilisiert, teilweise auch weltliche Gebärdensprachbegriffe religiös interpretiert, und zum Teil auch aus der Beschäftigung mit theologischen Inhalten heraus neue religiöse Gebärdensprachbegriffe entwickelt.   Ich möchte noch einmal allen Mitarbeitern/innen an dieser CD-ROM herzlich danken und wünsche allen Benutzern bei der Arbeit mit ihr viel Spaß und segensreichen Ertrag.